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Oktober 2010
microscapes, Reise nach Surinam
Rauminstallation, Projektpräsentation
»5x3«, Kunstraum Düsseldorf
kuratiert von Michael Voets


»microscapes«, Rauminstallation
Lattengerüst (kesselimprägnierte Dachlatten), Maße variabel
3 Zeichnungen (Buntstift auf Papier), je 250 x 150 cm
8 Scherenschnitte (naturweißes Zeichenpapier), je 70 x 100 cm
copyright Andrea Knobloch, Fotografie: Peter Podkowik


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Andrea Knobloch kann von ihrer Haltung, dem Anspruch vermittelnder Einflussnahme, wie auch von der Arbeitsweise her, dem engagierten Kunstbegriff zugerechnet werden. Die städtischen, stadtplanerischen, soziologischen und historischen Kontexte einer Ausstellungs-/Projektsituation werden Anlass für Untersuchungen und deren Auswertungen. Die Ergebnisse dieser forschenden Neugierde werden wiederum in den öffentlichen Kontext zurückgeführt, um diskutiert zu werden oder um diskussionslos eine subtile Irritation der bestehenden Gewohnheiten zu provozieren.

Entgegen dem Verdikt des Werkes, einem wesentlichen Selbstverständnis des in den 60er/70er Jahren geprägten Kunstbegriffes, gelingt es Andrea Knobloch auf das künstlerische Werk zu bestehen. So entstanden Farbstiftzeichnungen und Aquarelle, formalästhetisch akademisch und von sinnlicher Präsenz.(...)

Die Installation »microscapes« (2007) widmet sich der Inszenierung und Instrumentalisierung von Pflanzen im Außenbereich von Gaststätten. Mit dem minutiösen Vortrag einer botanischen Zeichnung dokumentieren die großformatigen Buntstiftzeichnungen die Arten, die Umstände unter denen sie ihr karges Leben als exotischer Sichtschutz fristen und die Zustände der teils bereits abgestorbenen Pflanzen. Sie scheinen der gleichen Funktion untergeordnet zu sein, die auch die klangvollen Namen der Gaststätten bedienen: Sie appellieren an die Sehnsucht nach dem Exotischen, Außergewöhnlichen, die den möglichen Gast zur Einkehr lenken soll.

Die Aquarelle aus dem Zyklus »Reise nach Surinam« (siehe dazu auch: Werke, »Reise nach Surinam«) entstanden anlässlich des gleichnamigen Projektes 2009, das im Kern eine Forschungsreise durch die Vorgärten des Linzer Stadtteils »SolarCity« darstellte. Die Untersuchungen der botanischen Artenvielfalt mittels Dokumentation und botanischer Zuordnung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten Linz. Die Auswertung der Pflanzenbestände im Kontext des Neubauviertels ließ die Sehnsucht nach exotischer Prächtigkeit und den Verheißungen fernster Länder und Regionen erkennen. Palmen, Bambusgewächse, Orchideen und Kakteen, allemal industriell produziert, so zeigen sie dennoch die ungebrochene Wirkung von »Sehnsuchts- und Wunschwelten«.

Andrea Knobloch entwickelte somit eine »Landkarte des imaginären Reisens« und vermittelte ihre Recherchen in einer öffentlichen Forschungsstation. Vorträge und expeditionsartige Führungen begleiteten die Aktion. Die an botanische Blätter erinnernden Aquarelle, ausgestellt in einem zentralen Restaurant des Ortsteiles, bilden eine Hommage an die exotisch anmutende Zeit wissenschaftlicher Künstler/innen. Sie versinnbildlichen das Selbstverständnis künstlerischen Handelns als ein forschendes: In Anlehnung an Maria Sibylla Merian, einer bedeutsamen Naturforscherin und Künstlerin aus der Zeit Aufklärung, die von ihrer Reise nach Surinam wunderbare, teils aquarellierte Studien von Schmetterlingen mitbrachte, besteht Andrea Knobloch auf das klassische Credo von »prodesse et delectare«. Hierin vermittelt sich das nützlich Erforderliche mit dem sinnlich Erfreulichen.
(Michael Voets)


Termine
Eröffnung: Donnerstag, 23.09.2010
Laufzeit: 24.09. – 03.10.2010


Interne Links:
»Reise nach Surinam«
Aquarelle »Reise nach Surinam« 1-5
Aquarelle »Reise nach Surinam« 6-9
microscapes


Web-Link:
Kunstraum Düsseldorf

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