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Oktober 1998
rooftop garden
Rauminstallation
kunstraummitte, Berlin
kuratiert von Kirsa Geiser, Stefan Haas und Jana Hyner


»rooftop garden«, Rauminstallation
4-teilig, Kantholz, Teppichboden, Beschläge, grüne Lichtfilterfolie
copyright Andrea Knobloch


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Die Düsseldorfer Künstlerin Andrea Knobloch thematisiert in ihren Arbeiten die Wirklichkeit von Funktions- und Repräsentationssystemen gebauter Räume anhand spezifischer Ortsanalysen. Das in verschiedenen Museen und Ausstellungen tourende und auch auf der Artforum Berlin vorgestellte New York Security Mini-Storage unterläuft als mobile Kunsthalle die Auswahlkriterien jeweiliger Gastinstitutionen. Im Bonner Kunstverein verdoppelte die Künstlerin den Empfangstresen durch eine voll funktionsfähige, jedoch offenere und dem Betrachter einsichtige Konstruktion.

Im kunstraummitte zeigt sie eine Nachbildung der Raumaufteilung von Phillip Johnsons Glass-House, welches 1949 in seinem persönlichen Architekturenareal New Canaan bei New York entstand.

Die das Glass-House umgebende private Parkanlage ermöglichte dem Bauherren und Architekten die Verwirklichung einer gläsernen Transparenz innerhalb der Wohnsituation. Knobloch greift die Schnittstelle von beschützter Offenheit und deren geschickte Lancierung durch einschlägige Architekturmagazine in der Öffentlichkeit auf. Dabei entsteht die Installation rooftop garden, die als Modell im verkleinerten Maßstab (1:2) das Glass-House nicht etwa reproduziert, sondern überführt: in die Öffentlichkeit einer Ausstellungssituation zum einen und in die Dimension der eigentlichen Intention Johnsons zum anderen – der ästhetischen Formfindung, nicht etwa der Verpflichtung zur Funktionalität.

Knobloch entwirft eine Installation, die das Beziehungsgeflecht von privat-öffentlicher Raumplanung und Gestaltung thematisiert und stellt damit eine Quasi-Transparenz, sowie den Reiz des Unzugänglichen zurDiskussion. Dabei spielt die spezifische Örtlichkeit, die Dachsituation des kunstraummitte eine entscheidende Rolle, regt diese doch die Reflexion über die Hierarchien des gebauten Raumes an.

Die gläserne Offenheit des Privaten (sowie der Macht und der Ökonomie) ist nur dort möglich, wo der größere Rahmen geschlossen ist. In exklusiven Dachsituationen mit Panoramaaussichten wird möglich, was andernorts zur Preisgabe vom Geheimen an die Allgemeinheit führen würde. Hier stellt die Künstlerin evidente Vergleiche an: gläserne Repräsentationsräume, die strukturelle Transparenz durch Glasbauten ersetzen, wie z.B. die inszenierte scheinbare Öffentlichkeit der Sammlung Hoffmann auf dem Dach der Sophie-Gips-Höfe.
Kirsa Geiser, Stefan Haas, Jana Hyner


Nachtrag Johnsons Glass-House verbirgt sich in einer privaten Parkanlage. Als Reminiszenz an die Ursprungssituation wurden sämtliche Fenster und Leuchten des kunstraummitte mit grüner Lichtfilterfolie ausgestattet. Nach kurzem Aufenthalt im grünen Farbraum erscheint das Tageslicht roUmgebungBerliner Mitte durchaus wünschenswerter Effekt.
AK


Termine
Eröffnung: 10.10.1998
Laufzeit: 11.10. – 07.11.1998

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