ausstellungen projekte aktionen vortraege texte werke lehre
>> ausstellungen
english
Mai 2014
Folding Unfolding Space
Gruppenausstellung
Galerie cubus-m
kuratiert von Dr. Christine Nippe


»Copyprint (Synagogenplatz/Mülheim)«, 2013
Collage, gefaltet und gebügelt
Fotokopien auf Papier, Sprühfarbe, Weißleim
150 x 90 cm

»Hanging Structure«, 2012
Kapa Board, farbiges Papier, Stecknadeln
172 x 117 x 105 cm

courtesy Galerie cubus-m
Fotografie: Andreas Fux


Zum Vergrößern auf Bild klicken!
Folding Unfolding Space
Dr. Christine Nippe

In der Gruppenausstellung Folding Unfolding Space bei cubus-m wird die zunächst abstrakte Größe Raum befragt. Durch die künstlerischen Arbeiten können sich veränderte Konturen von Räumlichkeit ergeben: Mit Hilfe der verwendeten Medien – wie Film, Fotografie, Installation, Lithographie, Objekt- und Papierarbeiten – werden die Dimensionen des Räumlichen künstlerisch abgetastet, ausgehandelt und aktiviert.

In einer ethnographisch inspirierten Recherche, in der es mir um die jeweiligen Praxen und Raumkonzepte der Künstler ging, habe ich sieben Ateliers besucht und viele Facetten zu diesem Thema entdeckt. Sei es in Berlin, Brüssel, Düsseldorf, Genf oder Lausanne, viele Künstler – so mein Eindruck während der Recherchen – beschäftigen sich mit diesen Fragestellungen. Es scheint, dass der Spatial Turn nicht nur die Sozial- und Kulturwissenschaften fasziniert, sondern ebenfalls die künstlerische Praxis leitet.

Interessant ist, dass es in den Arbeiten nicht nur um die „klassische“ Verräumlichung durch Architektur geht, sondern ebenfalls der soziale, der psychologische, der imaginäre, der sprachliche oder der körperliche Raum mit Hilfe der jeweiligen Methoden ausgelotet wird. Es handelt sich somit um eine Vielfalt von Räumen, die sich in den Konzepten der Künstler – manchmal eindeutig, mal sublim – auffächern.

Gemeinsam ist diesen unterschiedlichen Ansätzen, dass sie die Betrachter zum Nachdenken und Imaginieren einladen. Zusammen könnte ihnen mit Hilfe ihrer künstlerischen Techniken gelingen, unsere Vorstellung jenseits eines Containermodells (in welchem Raum als abgeschlossene Größe gedacht wird) spielerisch auszuloten und uns einzuladen, dass sich der Raum mit seinen vielen Dimensionen im „Auge des Betrachters“ faltet und wieder entfaltet.Andrea Knobloch beschäftigt sich in ihrem Werk oftmals mit Architektur und dem öffentlichen Raum. So verwendet sie Fotografie und Faltungstechniken, um brutale urbane Oberflächen zu deformieren und sich zu eigen zu machen.

Für Hanging Structure verbindet Andrea Knobloch Kompositplatten-Streifen zu einer improvisierten Konstruktion, der ein Bewegungspotential anzusehen ist. Das verwendete Material entsteht bei der Produktion von Großdrucken. Beim Aufkleben der Prints werden überstehende Reste abgeschnitten, gesammelt und entsorgt: „Diesem ‚Abfallenden’ eine andere Position zu geben und es der Logik der industriellen Produktion einer Wegwerfgesellschaft zu entziehen, macht einen guten Teil des Vergnügens an der Arbeit mit Materialien aus, die bereits einen Produktionsprozess hinter sich haben“, so Knobloch. Hanging Structure liegt die Vorstellung zugrunde, der Zufall hätte Reste zu einem losen Gefüge zusammen geweht. Entstanden ist eine raumschaffende Skizze, die ihre Entstehung einem trial- and error-Verfahren verdankt. Die Serie der Copyprints hat Andrea Knobloch begonnen, um einen weiteren Weg der Auseinandersetzung mit Beobachtungen im Stadtraum zu erschließen. „Was mit dem Verstand allein nicht gelingen will, nämlich ein sich Durchwühlen durch die Oberflächen und Eintauchen in die Volumina, versuche ich in einem Arbeitsprozess zu erreichen, der wiederum ein körperliches Verhältnis zu den nunmehr flachen Reproduktionen der Stadtansichten schafft, die mich im Hindurchgehen beeindruckt haben.“ Falten, Entfalten, Knicken, Bügeln, Schneiden, Sprayen und Kleben gehören zu den Verfahrensweisen, die Knobloch anwendet, um sich in den imaginären Raum hinein zu arbeiten und ihre gebaute Umwelt als gestaltbare zu erkennen zu geben.


Künstler/innen
Sylvie Boisseau & Frank Westermeyer (F/D), Simon Deppierraz (CH), Christina Dimitriadis (GR/D), Aloïs Godinat (CH), Elin Jakobsdóttir (IS/GB), Andrea Knobloch (D)


Termin
Eröffnung: 02.05.2014
Laufzeit: 02.05 – 14.06.2014

Web-Link
Galerie cubus-m

pdf oben
drucken fenster schliessen