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Juli 2007
Landschaftspark Gropiusstadt
öffentliche Intervention
Pilotprojekt Gropiusstadt, Berlin
kuratiert von Birgit Anna Schumacher und Uwe Jonas


»Landschaftspark Gropiusstadt«
»Fürst-Pückler-Eiswagen«
Styropor, farbig gefasst, Eisfach, Laufräder, Lenkgriff, 120 x 150 x 110 cm
»Monopterus«, Aquarell, 22 x 32 cm
copyright Andrea Knobloch, Fotomontage: Andrea Knobloch


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Landschaftspark Gropiusstadt
Der »Landschaftspark Gropiusstadt« ist ein Traum – insofern unterscheidet er sich nicht wesentlich von anderen Entwürfen seiner Art, die Wunschwelten und Zeitreisen in landschaftliche Formationen übersetzen und den eintretenden Gast in eine eigenartige und verführerische Gegend einladen. Ein Landschaftspark spielt nie mit offenen Karten. Sehr viel Mühe wird darauf verwendet, Natürlichkeit zu behaupten, obwohl eine meisterliche Planung zuvor jedes Detail bedacht hat. Der Landschaftspark als Ergebnis feudal organisierter Besitzverhältnisse repräsentiert die Sehnsucht seiner Gestalter nach einer anderen, besseren und freieren Gesellschaft.

Das Projekt »Landschaftspark Gropiusstadt« schlägt die »Rekonstruktion« eines fiktiven Landschaftsparks vor, dessen historische Realität als Behauptung gesetzt wird. Der aktuelle Hang zur »Wiederherstellung« verlorener Architekturen wird damit um die Reproduktion einer lediglich behaupteten Vergangenheit erweitert. Der Grünraum zwischen den Wohnbauten der Gropiusstadt soll auf diese Weise als »Möglichkeitsraum« formuliert werden, der Platz bietet für vielfältige Vorstellungen des Zusammenlebens. Damit könnte ein Zeichen gegen die Segmentierung der freizügigen Grünflächen gesetzt werden, die mit der Umwandlung von genossenschaftlichen bzw. öffentlichen Wohnungsbestand in privates Eigentum beständig fortschreitet, weil die neuen Eigentümer »ihr« Grundstück durch Umzäunung aus dem öffentlich zugänglichen Grünraum herausschneiden. Die Gropiusstadt als Gemeinwesen würde mit dem Landschaftspark ein Bild von sich selbst »rekonstruieren«, das zunächst ebenso Wunschbild einer nie gekannten Wirklichkeit ist, wie der Landschaftspark Gropiusstadt selbst. Durch künstlerische Eingriffe und Aktionen könnten die Grünräume der Gropiusstadt als gestaltet und gestaltbar sichtbar und ihre Potentiale als Räume der stadtgesellschaftlichen Öffentlichkeit ausgelotet werden.

Will man einen Landschaftspark in die Welt setzen, liegt es nahe, den Fürsten von Pückler-Muskau als Schirmherren anzurufen. Hat er doch Zeit seines Lebens ganze zwei Landschaftsgärten von hohem Rang und origineller Gestaltung auf eigenem Grund und Boden realisiert und viele ähnliche Vorhaben anderer Autoren mit Rat und Tat begleitet. Seine immerwährende Popularität verdankt er allerdings kaum den genannten Umständen, sondern der Tatsache, dass ein Konditor zu Branitz den Fürsten einst als Namenspatron für eine zu damaligen Zeiten recht ungewöhnliche Eiskreation gewinnen konnte. Die Kombination aus Vanille-, Erdbeer- und Schokoladeneis wird heute noch als »Fürst-Pückler-Eis« angeboten.

Der Fürst-Pückler-Eiswagen, als Referenz an landschaftsgärtnerische Imaginationen ferner Weltengegenden einem arktischen Eisberg nachempfunden, nahm gegenüber der U-Bahnstation Lipschitzallee Aufstellung und lud zum Eisessen in den (noch) nicht vorhandenen Landschaftspark ein, dessen Ausgestaltung der Vorstellungskraft der Gäste überlassen blieb.

Fürst-Pückler-Eis, Rezeptur
½ Liter sehr steif geschlagene Schlagsahne mit 2 gehäuften Esslöffeln feinem Zucker vermischen. Die Masse in 3 gleiche Teile teilen. Den ersten Teil, der weiß bleiben soll, mit 1 Gläschen Maraschino oder Kirschwasser vermischen, den zweiten mit 1/3 Tasse Erdbeeren rot färben, den dritten mit 2 Esslöffeln in wenig Wasser aufgelöster Schokolade versetzen. 100 Gramm Makronen in kleine Stücke hacken, mit Maraschino oder Kirschwasser durchziehen lassen, unter alle drei Sorten verteilen. In einer Eiskegelform zuerst die rote, dann die weiße, dann die braune Schicht streichen, diese oben mit einem Blatt weißem Papier abdecken und den Deckel fest anpressen. Die Form sollte in einem Gemisch aus Eis und Viehsalz 2 - 3 Stunden ganz bedeckt stehen. Sie wird dann in lauwarmes Wasser getaucht, schnell abgetrocknet, geöffnet und gestürzt.


Termine
Aktionstag: 21.07.2007
U-Bahn Station Lipschitzallee, Gropiusstadt, Berlin-Neukölln


Katalog
»Pilotprojekt Gropiusstadt«, Jahrbuch 2007, Hrsg.: Schumacher & Jonas, Berlin


Förderer
GEHAG GmbH
Partner
Kulturnetzwerk Neukölln e.V., Gemeinschaftshaus Gropiusstadt


Dank
Harald Ramm


Web-Links:
www.pilotprojekt-gropiusstadt.de
www.kulturnetzwerk.de

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