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März 1998
Küche und Garten
Rauminstallation, Postkarte
»Zeitgenössische Kunst in Schloss und Park Pillnitz«, Schloss Pillnitz, Dresden
kuratiert von Dirk Welich


»Küche und Garten«, Schlossküche, großer Raum, Blick Richtung Elbe
Installation (Kantholz, Holzfaserplatten, Glühlampen, Verkabelung)
copyright Andrea Knobloch, Fotografie: Andrea Knobloch)


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1. Schloßküche
Der als Ausstellungsraum zur Verfügung stehende Teil der Schloßküche liegt im an das neue Palais unmittelbar anschließenden Abschnitt des Küchenflügels. Er ist durch eine Tür im den Flügel querenden Mittelgang zu erreichen. Eine Treppe führt mehrere Stufen hinunter: Der Küchenboden liegt etwa 1.10m unter dem äußeren Bodenniveau.

Beide Räume, der größere vordere und ein etwa halb so großer Raum im hinteren Teil, nehmen die gesamte Breite des Küchenflügels in Anspruch. Das bedeutet, dass beide Längsseiten von einer Reihe von Fensteröffnungen durchbrochen sind. Die Schmalseiten sowie die mittlere, trennende Wand werden durch Überreste von Öfen und Kaminen und jeweils einer Türöffnung rechts und links gegliedert. Drei Bogenreihen ziehen sich durch die Räume: eine Reihe längs der Fenster zum Innenhof, zwei weitere Reihen nur im vorderen Teil der Küche, quer zur Hauptachse der Anlage. Die Fenster liegen, bedingt durch das niedrigere Bodenniveau der Küche unverhältnismäßig hoch. Sie sind trotz der imponierenden Wandstärke von genügender Größe und lassen reichlich Tageslicht einfallen

Auf dem Grundriß eines Regelgeschosses eines Dresdner Hauses aus der Wohnbauserie IW 67 (Großplattenbauweise) wurde in die Räume der Schlossküche ein Lattengerüst eingezogen, das die Kanten von Wänden, Böden und Decken der Wohnräume der WBS-IW67 nachzeichnet. Allein die Wände der Küchen wurden durch eingehängte, einseitig weiße Hartfaserplatten geschlossen. Das Bodenniveau der durch die Holzkonstruktion angedeuteten Raumfolge entsprach dem äußeren Bodenniveau und lag somit 1.10m über dem Boden der Schloßküche.

Gewohnte Raumproportionen können durch ihre Konfrontation mit einem gegensätzlichen Raumkonzept neu wahrgenommen werden. Durch das Einfügen in die nach feudalen Maßregeln proportionierten Räumlichkeiten der Schloßküche wird die Größe oder gerade die Enge der normierten Wohnungen des industrialisierten Wohnungsbaus sichtbar. Das Durchwandern der Konstruktion, geführt durch die geländerartigen Begrenzungslinien der unteren Raumkanten des Etagengrundrisses, setzt die Schlossarchitektur in eine unmittelbar erfahrbare Beziehung zu einer heute noch erlebbaren Wohnwirklichkeit.

2. Garten
Der zweite Teil des Projekts für Pillnitz sollte das Pavillon-Thema aufgreifen und eine Verbindung herstellen zwischen alltäglicher Raumerfahrung in einer städtischen Umwelt und der Großzügigkeit und Weite feudaler Gartengestaltung, die mit ihren Blickachsen nicht nur unmittelbar das ummauerte Gelände des Schloßparks in den Griff nimmt, sondern auch weit in die Landschaft hinein gedacht wurde. Auf der Mittelachse des Heckenlabyrinths, der Maillebahn, mit freier Sicht auf das Schloss sollten sechs Baucontainer zu einem zweigeschossigen »Pavillon« gestapelt und mit Treppe und Umgang zugänglich gemacht werden, alle Container vom gleichen Typ und genormter Größe. Den Besucher/innen sollte in jedem »Raum« eine bequeme Sitzgelegenheit zur Verfügung stehen, die eine ausgedehntere Betrachtung der gebotenen Aussicht ermöglichte.

Im Gegensatz zu der in der Schloßküche nicht nur im übertragenen Sinn transparent gewordenen, privaten Wohnwirklichkeit hätte der Containerblock die Möglichkeit geboten, sich inmitten einer öffentlichen Parkanlage in einen geschützten »intimen« Innenraum zurückzuziehen. Der durch das wohnzimmergroße Containerfenster schweifende Blick hätte die Aussicht auf herrschaftlichen Grundbesitz gerahmt von der normierten Maßstäblichkeit eines industriell hergestellten Interieurs genießen können.

Die Realisierung dieses Vorhabens wurde kurzfristig untersagt. Stattdessen wurde eine Postkarte mit einer simulierten Darstellung der geplanten Situation aufgelegt und während der Ausstellung auf dem Schloßgelände zum Verkauf angeboten.


Termine
Eröffnung: 25.03.1998
Laufzeit: 26.03. – 29.04.1998


Katalog
»Küche und Garten«, Hrsg.: Staatliche Schlösser und Gärten Dresden 1998


Dank
Matthias Schützelt


Ausstellung und Katalog wurden gefördert durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Dresden und das Regierungspräsidium des Landes Sachsen

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