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April 2004
Blume 2004
Aktion im Stadtraum, Fotowettbewerb, Postkarte
»Stadtbild.Intervention – Projekte für Pulheim«
kuratiert von Angelika Schallenberg


»Blume 2004«
Pressetermin: Mohn-Aussaat vor dem Rathaus (Bürgermeister Morisse, Andrea Knobloch)
Fotografie: Dirk Springob


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Regelmäßig jedes Jahr lädt die Stadt Pulheim einen/eine Künstler/in ein, temporär in das Pulheimer Stadtbild zu intervenieren. Das Projekt Blume 2004 interessierte sich für die Frage nach Identitätsbildung in einer Flächengemeinde, deren 12 Stadtteile nahezu ausschließlich auf der Verwaltungsebene als Einheit interpretiert werden. Der Wunsch nach einer insbesondere nach außen vermittelbaren »Identität« der Stadt Pulheim ist deutlich spürbar, wird aber vor allem auf der Ebene des Stadtmarketings verhandelt. Auch die Stadtbild.Interventionen, als ein über die Grenzen Pulheims hinaus bekanntes Kunstprojekt im öffentlichen Raum, werden durch Stadtmarketing-Initiativen in Wirtschaftsinteressen verwickelt.

Was aber kann »Identität« in einer klassischen »Schlafstadt« vor den Toren Kölns für die nahezu durchgängig mittelständische Bevölkerung selbst bedeuten? Vorstellungen von Identität wirken hier vor allem durch das persönliche Interesse an sozialer Distinktion und Selbstrepräsentation auf das Stadtbild ein: sich gegen andere abgrenzen durch Mauern, Hecken und Zäune, oder Zeichen setzen durch eine aufwändige Gestaltung des Vorgartens. Städtische Identität als Teilhabe aller Bürger/innen an einem Gemeinsamen lässt sich aus Gesten des Ausschließens und des in (privaten) Besitz Nehmens allerdings kaum herstellen. Nur durch gemeinsames Handeln können sich gemeinsame Traditionen und damit Spuren einer integrativen Identität in einer Stadtgesellschaft entwickeln, die sich dann in der erfahrbaren Stadtlandschaft als ein »Bild der Stadt« ablesen lassen.

Das Projekt Blume 2004 lud die Pulheimer/innen ein, die Stadtbild.Intervention in diesem Jahr aktiv mit zu gestalten. 21.000 Tüten mit Saatgut der Sorte Papaver Rhoeas (Klatsch- oder Gartenmohn) wurden durch die Kooperation mit einem regionalen Wochenblatt an die Haushalte verteilt, mit der Bitte, diese Blumensamen im eigenen Garten auszusäen und bis zur Blüte zu hegen und zu pflegen. Fotografien der blühenden Mohnpflanzen konnten dann auf einer Fotowand im Pulheimer Rathaus angebracht werden. Eine Jury bestimmte im September sechs der Aufnahmen für die Herstellung einer »Postkarte für Pulheim«, die im Rahmen eines Erntedankfests zum Abschluss des Projekts im Pulheimer Rathaus öffentlich vorgestellt wurde.

Der Faszination, die von der Idee ausgeht, private Eigentumsgrenzen durch ein gemeinsam hergestelltes flächendeckendes Punktmuster aus roten Mohnpflanzen als neues »Bild der Stadt« einmalig zu überschreiben, erlag die Pulheimer Öffentlichkeit. Lokale Presse und Akteur/innen haben sich mehrheitlich und mit Begeisterung der Realisierung dieser Idee verschrieben. Viele Rückschläge waren zu verkraften. Lokale Skandale, ungünstige Witterungsbedingungen im Sommer 2004 und teilweise Misserfolge bei der Aussaat führten zu vorübergehender Niedergeschlagenheit. Niemand möchte gern hinter den eigenen, hohen Erwartungen zurückstehen!

Die Fixierung auf sichtbare und zählbare Ergebnisse verstellt häufig den Blick auf die Entwicklung kommunikativer Dynamiken, die den eigentlichen »Erfolg« eines solchen Projekts ausmachen. Blume 2004 war Stadtgespräch in Pulheim. Trotz oder gerade wegen der Schwierigkeiten, die seine Realisierung für die Teilnehmenden mit sich brachte. Blühender Mohn wird in Pulheim auch im nächsten Jahr mit der Frage nach dem gemeinsamen Stadtbild verbunden bleiben und die »Postkarte für Pulheim« wird die Geschichte dieses Sommers über die Stadtgrenzen hinaus forterzählen. Nicht zuletzt hat auch der ausgebrachte Mohnsamen Früchte getragen, die sich neuerlich verteilen konnten und schon bald zu einer weiteren Vermehrung der Pulheimer Mohnpopulation beitragen werden.

Gefördert durch das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen


Kataloge
»Stadtbild.Intervention«, Hrsg.: Stadt Pulheim – Angelika Schallenberg
Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2011, ISBN: 978-3-86984-248-6

»Andrea Knobloch. Blume 2004«, Hrsg.: Stadt Pulheim – Der Bürgermeister, Kulturabteilung
ISBN: 3-9810218-2-7


Sponsoren
Dinger Pflanzenmärkte, Kiepenkerl


Dank
Angelika Schallenberg


Web-Links:
www.blume2004.net
Stadtbild.Intervention

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